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Marketingjob in Frankreich: So gelingt der Einstieg in eine französische Agentur

Marketingjob in Frankreich: So gelingt der Einstieg in eine französische Agentur

Mein Name ist Anna, ich bin 32 Jahre alt und komme ursprünglich aus Hamburg. Seit fast zehn Jahren arbeite ich im Bereich Digitales Marketing, mit Stationen in Start-ups, Agenturen und Konzernen – vor allem in Deutschland. Doch irgendwann war mir klar: Ich brauche frischen Wind, neue Impulse – und eine neue Sprache. Frankreich hatte mich schon immer fasziniert: die Kultur, das Lebensgefühl, das Essen (natürlich!) – aber auch die kreative Energie der französischen Werbewelt. Als ich das Jobangebot einer Kommunikationsagentur in Bordeaux bekam, zögerte ich keine Sekunde. Ich kündigte meine Wohnung, packte meinen Laptop und mein Herz in einen Koffer – und machte mich auf den Weg in ein neues Leben zwischen Croissants, Kundenbriefings und kulturellen Missverständnissen.

 



1. Ein Neuanfang in Bordeaux

1. Ein Neuanfang in Bordeaux

Frankreich zieht immer mehr internationale Fachkräfte an – besonders in den Bereichen Kommunikation, Marketing und digitale Medien. Laut einer Studie von France Travail gab es 2025 allein im Bereich „Marketing und Werbung“ rund 45.000 offene Stellen im Land, viele davon in Großstädten wie Paris, Lyon oder Bordeaux. Die Region Nouvelle-Aquitaine, zu der Bordeaux gehört, erlebt seit Jahren einen Aufschwung im kreativen Sektor – insbesondere im digitalen Marketing und E-Commerce.

Ich wurde 2023 Teil des Teams der Agentur Studio Martin, einer mittelgroßen Kreativagentur mit Sitz in Bordeaux, die Kampagnen für Marken wie Veolia oder La Roche-Posay umsetzt. Schon im Vorstellungsgespräch merkte ich: Hier wird nicht nur gearbeitet, sondern auch gedacht, gefühlt, gestaltet.

Der Einstieg war intensiv: neue Sprache, neue Kultur, neue Tools. Aber Bordeaux macht es einem leicht, sich schnell wohlzufühlen. Die Stadt zählt laut INSEE zu den dynamischsten Regionen Frankreichs und wächst seit 2015 stetig – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch demografisch. Mehr als 10 % der Einwohner sind internationale Zuzügler, darunter viele junge Berufstätige aus Deutschland, Spanien oder Kanada.

In dieser lebendigen Kulisse begann mein neues Kapitel – zwischen französischer Lebenskunst und einem spannenden Job in der Marketingwelt.



2. Kulturschock im Büro: Marketing à la française

2. Kulturschock im Büro: Marketing à la française

Mein erster Monat in der Agentur war geprägt von Beobachtung, Anpassung – und einer großen Portion Neugier. Die Unternehmenskultur war viel informeller als in Deutschland: Hier duzt man sich grundsätzlich, selbst die Geschäftsführung. Meetings starten mit einem Lächeln, der kreative Austausch steht im Vordergrund – Hierarchien? Eher horizontal als vertikal.

Ich wurde schnell in zwei große Projekte eingebunden: Zum einen in eine Social-Media-Kampagne für Michelin, bei der wir TikTok-Influencer für den deutschen Markt auswählten. Zum anderen in die Neugestaltung der UX einer Plattform für nachhaltige Mode – ein Auftrag der aufstrebenden Marke 1083.

Die Agentur arbeitet mit modernen Tools wie Figma, Notion, Slack und Monday.com. Besonders beeindruckt war ich davon, wie Content, Design und Strategie von Anfang an gemeinsam gedacht wurden. Während in Deutschland oft noch stark zwischen Text, Grafik und Projektleitung getrennt wird, sind in französischen Agenturen interdisziplinäre Teams üblich.

Laut einer Umfrage des Netzwerks France Digitale setzen über 75 % der französischen Digitalagenturen auf agile Methoden und projektübergreifende Kollaboration. Das machte die Arbeit spannend – aber auch fordernd. Ich musste lernen, meine deutschen Stärken wie strukturierte Planung und präzise Umsetzung mit französischer Flexibilität und Kreativität in Einklang zu bringen.

Trotz kleiner Sprachhürden fühlte ich mich willkommen – meine Kolleg:innen waren neugierig auf die deutsche Sichtweise, besonders wenn es um die Ansprache von Zielgruppen oder Datenschutz ging. Mein deutsches Know-how wurde nicht als anders, sondern als wertvoll empfunden.



3. Zwischen Integration, Croissants und kreativen Kampagnen

3. Zwischen Integration, Croissants und kreativen Kampagnen

Bordeaux hat mir nicht nur beruflich, sondern auch persönlich eine neue Welt eröffnet. In einer Stadt mit über 30.000 Studierenden und einer lebendigen internationalen Community war es leicht, Anschluss zu finden. Ich nahm an Sprachkursen der Alliance Française Bordeaux teil, meldete mich in einem deutsch-französischen Stammtisch an und fand bald eine WG mit einer Architektin aus Toulouse und einem Softwareentwickler aus Kanada.

Im Alltag mischten sich französische Gewohnheiten mit meinen deutschen Prinzipien: Morgens ein starker Café und ein frisch gebackenes Croissant, mittags oft ein Menü im Bistro gegenüber, abends Apéro am Ufer der Garonne. Ich entdeckte schnell: In Frankreich zählt nicht nur, was man tut, sondern wie man es tut. Selbst im Arbeitsalltag wird auf Ästhetik, Präsentation und Genuss Wert gelegt – sei es bei einer PowerPoint oder beim Mittagessen.

In der Agentur selbst wurde ich bald zur Ansprechpartnerin für alles rund um den deutschen Markt. Ich half, eine Content-Strategie für den Launch eines E-Commerce-Shops in Deutschland zu entwickeln, und übersetzte regelmäßig Texte, um die Tonalität für deutsche Zielgruppen zu optimieren.

Auch kulturell brachte ich Impulse ein: Ich organisierte einen „Kaffee & Kuchen“-Nachmittag, der zur monatlichen Tradition wurde. Im Gegenzug lernte ich, was ein richtiges „Apéro dînatoire“ ist und wie wichtig der soziale Austausch für französische Kolleg:innen ist – gerade auch für die Teamdynamik und Kreativität.

Die Kombination aus beruflicher Herausforderung und persönlicher Entfaltung machte meine Erfahrung in Bordeaux einzigartig. Ich war nicht nur „die Deutsche im Team“, sondern ein aktiver Teil der Agentur-Community – mit Ideen, Empathie und einem immer besseren Französisch.



4. Mein Fazit nach einem Jahr in Frankreich

4. Mein Fazit nach einem Jahr in Frankreich

Ein Jahr später blicke ich zurück – mit einem breiten Lächeln. Mein Abenteuer in Bordeaux hat mein Berufs- und Privatleben nachhaltig verändert. Ich habe nicht nur eine neue Sprache gelernt, sondern auch ein neues Verständnis von Teamarbeit, Kreativität und Lebensbalance entwickelt. Was als mutiger Schritt ins Ungewisse begann, wurde zu einer der reichsten Erfahrungen meines Lebens.

Frankreich bietet deutschen Fachkräften im Bereich Marketing, Kommunikation und Digitales spannende Möglichkeiten. Ob in Agenturen wie BETC in Paris, bei großen Konzernen wie Publicis Groupe oder in innovativen Start-ups in Städten wie Lyon, Nantes oder Bordeaux – der Bedarf an interkultureller Kompetenz und deutschsprachigem Know-how wächst. Besonders gefragt sind Spezialist:innen für Content Marketing, SEO, Social Media und digitale Strategie.

Wer den Schritt wagen möchte, dem empfehle ich: Seid offen, neugierig – und geduldig mit euch selbst. Frankreich funktioniert anders, aber gerade darin liegt die Chance, neue Fähigkeiten zu entdecken. Auf Plattformen wie Welcome to the Jungle finden sich regelmäßig Stellenangebote.

Heute bin ich immer noch in Bordeaux, mittlerweile als Teamleiterin Digitalstrategie – und ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen, um beruflich wie persönlich zu wachsen. Also: Warum nicht das nächste Kapitel eurer Karriere zwischen Baguette und Business schreiben?

Mehr dazu:

 
Jérôme

Jérôme Lecot