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„Führungsposition? Nein danke!“ – Warum französische Fachkräfte den Chefsessel meiden

„Führungsposition? Nein danke!“ – Warum französische Fachkräfte den Chefsessel meiden

Führungsverantwortung galt lange als logischer Karriereschritt – doch in Frankreich verliert der Chefsessel an Reiz. Immer mehr Fachkräfte lehnen Managementrollen ab und stellen damit das klassische Karriereverständnis grundlegend infrage.



1. Warum verliert das Management in Frankreich an Attraktivität?

1. Warum verliert das Management in Frankreich an Attraktivität?

Die neue Studie der Apec mit dem Titel «Cadres et management» zeigt eine beunruhigende Entwicklung: immer weniger französische Fachkräfte möchten Führungskräfte werden. Noch vor wenigen Jahren galt eine Managementposition als natürlicher nächster Schritt in der Karriere. Heute sagen viele: „Merci, mais non merci.“ Der Rückgang betrifft alle Altersklassen und Geschlechter – ein deutliches Anzeichen für einen tiefgreifenden Wandel im Arbeitsverständnis.

Laut der Apec-Umfrage wollen 2025 nur noch 34 % der nicht-führenden Angestellten in eine Managementposition aufsteigen. 2022 waren es noch 42 %. Das bedeutet einen Rückgang von 8 Prozentpunkten in nur drei Jahren. Besonders jüngere Beschäftigte unter 35 Jahren zeigen wenig Interesse: Der Anteil ist von 63 % auf 47 % gefallen – ein Rückgang von 16 Prozentpunkten. Damit wird deutlich: Die klassische Karriereleiter verliert ihren Reiz.



2. Rückgang der Managementambitionen: Wer ist betroffen?

2. Rückgang der Managementambitionen: Wer ist betroffen?

Diese Abkehr vom Management betrifft nicht nur junge Berufstätige, sondern zeigt sich quer durch alle Generationen. Zwar ist der Rückgang bei den unter 35-Jährigen am stärksten, doch auch ältere Arbeitnehmer verlieren zunehmend das Interesse an Führungspositionen. Besonders auffällig ist, dass sich die Geschlechterunterschiede bei der Ambition nivellieren. Während zwischen 2022 und 2025 bei Männern das Interesse um 10 Punkte sank, waren es bei Frauen 5 Punkte. Somit ist das Interesse an Führungsrollen heute geschlechtsunabhängig nahezu gleich niedrig.

Diese Entwicklung wirft wichtige Fragen auf für Unternehmen, die in Frankreich rekrutieren: Wie kann man Führungspositionen wieder attraktiver gestalten? Wer soll künftig Teams führen, wenn die Mehrheit der Beschäftigten genau diese Verantwortung nicht mehr übernehmen will? Für Unternehmen mit einem Standort in Frankreich bedeutet das: klassische Führungskarrieren müssen neu gedacht werden.



3. Was erklärt diesen Rückgang des Interesses?


3. Was erklärt diesen Rückgang des Interesses?

Die Gründe für diesen Trend sind vielfältig. An erster Stelle steht die zunehmende Komplexität des Managements: Führungskräfte müssen heute mehr denn je zwischen operativen Anforderungen, Personalentwicklung, psychischer Fürsorge und strategischen Zielen jonglieren. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an sie, ohne dass dies immer von einer entsprechenden Entlastung oder Anerkennung begleitet wird.

Laut der Apec-Studie sehen viele Befragte den Stress, die Unsicherheit und die fehlende Autonomie als Hauptgründe gegen eine Führungsrolle. Das Image des Managers hat gelitten: Statt Prestige bringt die Rolle oft zusätzliche Belastung, häufig ohne signifikante Gehaltsverbesserung.

" In einer Zeit, in der Work-Life-Balance und Sinnstiftung zunehmend Priorität haben, erscheint die Managerrolle für viele weniger als Belohnung denn als Bürde."

Adélaïde Sapelier
Recruiter
Eurojob-Consulting

ASapelier




4. Welche Zukunft für das Management in Frankreich?


4. Welche Zukunft für das Management in Frankreich?

Frankreich steht damit vor einem strukturellen Umbruch im Führungsverständnis. Unternehmen müssen neue Wege finden, um Führung neu zu definieren – zum Beispiel durch flache Hierarchien, partizipative Modelle oder die Aufteilung von Führungsverantwortung auf mehrere Schultern. Die Förderung von Leadership ohne formelle Hierarchie könnte eine Alternative sein.

Zudem sollten Unternehmen mehr auf die Wertschätzung und Begleitung von Führungskräften setzen. Eine klarere Kommunikation der Erwartungen, gezieltes Coaching, sowie ein realistisches Bild des Manageralltags sind entscheidend, um dem Trend entgegenzuwirken. Die HR-Strategie der kommenden Jahre muss sich diesem Thema stellen – nicht zuletzt, um den Führungsnachwuchs nicht zu verlieren, sondern neu zu gewinnen.

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Jérôme

Jérôme Lecot

 
 
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